Kommunikation und Führung in Kanzleien

Interview von Dr. Susanne Reinemann mit Falk Schornstheimer

Wer Ende Juni 2015 das Handelsblatt aufschlug konnte lesen, dass gerade ein Kulturwandel in den Kanzleien stattfindet. Von einer zunehmenden Differenzierung des Marktes in den letzten Jahren wurde berichtet, in dem kleinere Einheiten die großen Wirtschaftskanzleien herausfordern und darüber, wie die Großkanzleien auf diesen Wandel reagieren. Keine Frage: Der Rechtsberatungsmarkt ist in Bewegung und führt zu Veränderungen in den Kanzleien. Und nicht nur das. Auch von Seiten der nachkommenden Generation geraten die Sozietäten unter Druck. Die Ansprüche der Generation Y, die weniger Wert auf Status als auf Work-Life-Balance legt, sind schon seit geraumer Zeit ein Thema. Weiterlesen

Anwalts-ABC

A=Arbeitszeit. Nichts sonst schreckt Berufseinsteiger so ab, wie allseits kursierende Horrorgeschichten über die Arbeitszeiten in Anwaltskanzleien, besonders in wirtschaftsberatenden Großkanzleien. Sind diese Befürchtungen berechtigt?

Sind nicht viele Kanzleien in letzter Zeit vorgeprescht mit mutigen Teilzeit-und Flextime-Arbeitszeitmodellen? Steht nicht das Thema Work-Life-Balance ganz oben auf den Agenden der Personalabteilungen in den Kanzleien? Ja, stimmt. Und dennoch führt kein Weg daran vorbei: Traditionell arbeiten Anwälte sehr viel. Gründe dafür? Zum einen bildet auch bei angestellten Anwälten immer noch das Profil des freiberuflichen, selbstorganisierten, unternehmerisch denkenden Umsatzträgers den Hintergrund. Vor allem im Blick auf den Partner-Status wird es unvermeidlich immer darum gehen, wie viel Umsatz ein Anwalt erwirtschaften kann. Da Kanzleien – wie die meisten Beratungsunternehmen – überwiegend auf der Basis von Zeiteinheiten abrechnen, verkaufen Anwälte also ihre Zeit. Je mehr sie davon in Rechnung stellen können, desto profitabler sind sie. Von einzelnen Phasen abgesehen, wie Fortbildung, Elternzeit usw., führt an langen Arbeitstagen also kein Weg vorbei. Weiterlesen

Zum Glück

Ziemlich jede zweite Brigitte- und Cosmopolitan-Ausgabe ventiliert auf pastellfarbenen, weichgezeichneten Bildstrecken das Thema Sinn des Lebens und die Frage Was ist Glück. Glücksratgeber sind Bestseller. Das Buch und der Film Eat Pray Love haben Millionen erreicht. Auch über das Gegenteil wurde nachgedacht. Über das Unglücklichsein und seinen Nutzen hat Wilhelm Schmid, ein Experte in der Philosophie der Lebenskunst, eine beeindruckende Ermutigung geschrieben. Ihm ist zumindest schon mal die inhaltliche Trennung von Sinn und Glück zu verdanken. Leben verlangt nach Sinn; die Frage des Glücks und inwiefern es Sinn stiften kann, ist eine ganz andere. Kurzum, was Glück bedeuten kann und wie man es erringt – ob es überhaupt möglich ist, Glück aus dem „Schicksal“ hervorzukitzeln – geht meist in tautologischen Erklärungen auf: Der Sinn des Lebens sei es, glücklich zu sein. Glücklich werde, wer Sinn im Dasein erfahre. Nicht sehr hilfreich, oder?
An diesem Punkt bin ich über einen Klassiker der philosophischen Literatur gestolpert und war unmittelbar tief berührt:
Eine Szene von Kraft und Eindrücklichkeit. Ein Mann ist tief verzweifelt. Er sitzt im Gefängnis und erwartet seine Hinrichtung. Er sieht dem unausweichlichen Tod entgegen. Da erscheint ihm plötzlich eine Frauengestalt und beginnt ihm zuzureden. Sie tröstet ihn. Arznei, also Linderung, sei mehr am Platz als Klage. Die Ärztin, die sich als staunenswert klug entpuppt, ist die Philosophie. Weiterlesen

Welcher Kanzleityp passt zu mir?

Was lässt der gelernte Jurist Goethe seinen Magister Faust sagen? „Habe nun ach […] auch Juristerei durchaus studiert, ich armer Tor, und bin so klug als wie zuvor!“ Blicken Sie auch so ratlos auf ihre Zukunft und fragen sich was soll ich werden? Welcher Beruf kommt für mich infrage?
Dann gehören Sie nicht zu einer Randgruppe, sondern zur satten Mehrheit der Jura-Absolventen. Seit Jahren beantworten konstant 80 Prozent aller Juristen mit dem Zweiten Staatsexamen in der Tasche diese Frage nach ihrer Zukunft mit der Entscheidung für den Anwaltsberuf. Damit haben sie aber allenfalls einen Rahmen bestimmt. Denn unter der Überschrift „Anwalt“ lässt sich ein Berufsbild mit vielen unterschiedlichen Facetten subsumieren. Um es deutlich zu sagen: Die Eindrücke, die uns Danni Lowinski, Liebling Kreuzberg, Edel & Starck vom Berufsalltag vermitteln, sind bei aller Exzentrik immer noch näher an der Lebenswirklichkeit der 80 Prozent, als die Glas-und-Chrom-Büros der Law firms, in die nur eine verschwindend kleine Minderheit je einen Fuß setzen wird. Weiterlesen

Was kann ich und wenn ja wofür?

(Selbst-)Coaching steigert die Job-Fitness
Coaching ist in aller Munde, fast hat es den Status eines Allheilmittels im Personalwesen erreicht: zur Förderung der Führungskräfte, zur Optimierung von Leistungen, zur Unterstützung von Frauenförderungs- und Diversity-Programmen, zu Outplacement-Zwecken und (leider auch oft genug) zum Therapie-Ersatz für ausgebrannte Mitarbeiter.
Der Coaching-Begriff ist weit gefächert und dehnbar. Dabei ist der Grundgedanke einfach und Jahrtausende alt. Wenn man sich den Profi-Coach (noch) nicht selber leisten will, kann man mit ein bisschen Mühe und Übung auch selber aktiv werden. Frei nach Woody Allen: Selbst-Coaching ist Coaching mit jemanden, den Du wirklich kennst – und magst.
Die englische Wortbedeutung Coach = Kutsche erklärt das Prinzip des Coaching ziemlich treffend: Mit einem Transportmittel, einem Vehikel, ein Ziel erreichen. Darum geht es. Aus der Welt des Spitzensports wurde der Begriff seit den 1980erJahren auf Wirtschaftsunternehmen übertragen. Manager sollten mit einem erfahrenen Coach als Sparringspartner über ihre Person und ihre Rolle im beruflichen Zusammenhang nachdenken. Als eine Art Geburtshelfer bringt der Coach dabei Ideen und Gedanken zur Welt, die im Klienten gezeugt wurden. Denn nur Lösungen und Antworten, die der Klient selber hervorbringt, sind für ihn am Ende glaubwürdig und umsetzbar. Wer im Ethik-Unterricht aufgepasst hat, dem kommt dieser Ansatz bekannt vor. Denn diese Art der Befragung und Unterstützung ist im Grunde die älteste Methode der abendländischen Philosophie. Der erste Geburtshelfer in diesem Sinne war Sokrates. Er war berühmt und berüchtigt für seine Fragekunst, die er selber Hebammenkunst nannte. Er gebäre, wie die Hebammen, selber keine Weisheit, sondern helfe nur, sie das Licht der Welt erblicken zu lassen. Erkenne Dich selbst war sein Wahlspruch. So gesehen ist Coaching ein alter Hut, aber nach wie vor erfolgreich. Bei welchen Fragen geht man nun typischerweise zu Sokrates oder spielt selber mit seiner Methode? Weiterlesen

Falk Schornstheimer

Über dieses Blog

Das Beste von allem:
Was Coaching, Philosophie, Literatur und Kunst verbindet.
Auf diese Spurensuche begibt sich dieses Blog. Die Absicht ist: Heterogenes auf Zusammenhänge zu befragen, sich zu verirren, um etwas Unverhofftes zu finden, Umwege zu machen, um anzukommen, ins Gegenlicht zu blinzeln, um Konturen besser wahrnehmen zu können.
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