Zum Glück

Ziemlich jede zweite Brigitte- und Cosmopolitan-Ausgabe ventiliert auf pastellfarbenen, weichgezeichneten Bildstrecken das Thema Sinn des Lebens und die Frage Was ist Glück. Glücksratgeber sind Bestseller. Das Buch und der Film Eat Pray Love haben Millionen erreicht. Auch über das Gegenteil wurde nachgedacht. Über das Unglücklichsein und seinen Nutzen hat Wilhelm Schmid, ein Experte in der Philosophie der Lebenskunst, eine beeindruckende Ermutigung geschrieben. Ihm ist zumindest schon mal die inhaltliche Trennung von Sinn und Glück zu verdanken. Leben verlangt nach Sinn; die Frage des Glücks und inwiefern es Sinn stiften kann, ist eine ganz andere. Kurzum, was Glück bedeuten kann und wie man es erringt – ob es überhaupt möglich ist, Glück aus dem „Schicksal“ hervorzukitzeln – geht meist in tautologischen Erklärungen auf: Der Sinn des Lebens sei es, glücklich zu sein. Glücklich werde, wer Sinn im Dasein erfahre. Nicht sehr hilfreich, oder?
An diesem Punkt bin ich über einen Klassiker der philosophischen Literatur gestolpert und war unmittelbar tief berührt:
Eine Szene von Kraft und Eindrücklichkeit. Ein Mann ist tief verzweifelt. Er sitzt im Gefängnis und erwartet seine Hinrichtung. Er sieht dem unausweichlichen Tod entgegen. Da erscheint ihm plötzlich eine Frauengestalt und beginnt ihm zuzureden. Sie tröstet ihn. Arznei, also Linderung, sei mehr am Platz als Klage. Die Ärztin, die sich als staunenswert klug entpuppt, ist die Philosophie. Weiterlesen

Coaching als angewandte Philosophie: Heraklit, Sokrates & Co.

Was sagt Heraklit, der „Dunkle“?
Man kann nicht zweimal in denselben Fluss steigen, das Festklammern an Vergangenheiten ist sinnlos vor dem Hintergrund stetiger Veränderung. Sein Panta Rhei, alles fließt, ist ein Weckruf. Es heißt nichts weniger, als die eigene Existenz im Licht des Zeitenflusses zu sehen. Die Zeit als Voraussetzung für Existenz. Gut dialektisch ist das Sein nur denkbar, sofern es das Nichts als Gegenstück hat. Während das Nichts zeitlos ist, wird das Sein durch die (begrenzte) Dauer gekennzeichnet. Sein ist nur in der Zeit möglich (Heidegger baut darauf seine Philosophie). Für das Coaching bedeutet das zweierlei: Dem Vergangenen und Verlorenen nicht hinterherzutrauern. Und die Zeit zu nutzen. Weiterlesen

Emmanuel Levinas antwortet Heidegger

Der Schriftsteller Hartmut Lange schreibt in seinen autobiografischen Auskünften mit dem schönen Titel „Irrtum als Erkenntnis“ wie ihn eines Tages aus heiterem Himmel das Pascalsche Erschrecken anfiel. Der französische Philosoph Blaise Pascal (1623 bis 1662) hatte nach Jahren mathematischer und naturwissenschaftlicher Studien sein Erschaudern eingestanden beim Gedanken an die Winzigkeit und Vergänglichkeit seiner Person angesichts der Ewigkeit. Weiterlesen

Falk Schornstheimer

Über dieses Blog

Das Beste von allem:
Was Coaching, Philosophie, Literatur und Kunst verbindet.
Auf diese Spurensuche begibt sich dieses Blog. Die Absicht ist: Heterogenes auf Zusammenhänge zu befragen, sich zu verirren, um etwas Unverhofftes zu finden, Umwege zu machen, um anzukommen, ins Gegenlicht zu blinzeln, um Konturen besser wahrnehmen zu können.
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